Thema anzeigen : Killern mit maschinenhaften Reflexen


guru.potzblitz
Allmacht der Schummler

Eine neue Plage breitet sich aus in der Welt der Online-Wettkämpfe: Mit Killer-Robotern und bizarren Wunderwaffen machen Betrüger Jagd auf die ehrlichen Spieler.

Wenn es dumm läuft im Straßenkampf, sind Adrian Kästorfs Sekunden gezählt: Er lugt ums Eck und ist auch schon tot. Irgendwo muss ein spukhafter Scharfschütze umgehen; der sieht den armen Kästorf, wo immer er sich versteckt. Und er verfehlt niemals sein Ziel.


DER SPIEGEL
Puppen im Netz: Eine halbe Million Fantasy-Freunde schlagen sich im Fabelreich mit Drachen und Raubrittern herum
"So macht das natürlich keine Freude", sagt Kästorf, ein Grafiker aus Berlin. Er weiß: Kein Mensch kann so gut sein. Kästorf ist lange genug dabei; feierabends geht er seit je gern online ballern. Er liebt Spiele wie "Counterstrike", wo Kombattanten aus aller Welt sich übers Internet zu Gruppen zusammentun; Terroristen die einen, Terroristenjäger die andern. Und dann beginnt das Getümmel.

Aber nun wird den Spielern der Zeitvertreib zunehmend verleidet. Es wimmelt von Killern mit maschinenhaften Reflexen, bar jeden Sportsgeistes. Wo sie auftauchen, gibt es keine Überlebenden. Kästorf hat schon manches mitgemacht: "Die erscheinen aus dem Nichts mitten auf der Szene, erschießen in einer Sekunde ringsum alle Anwesenden und sind schon wieder weg."

Bei diesen Spielern geht es nicht mit rechten Dingen zu; ihre teufelsgleiche Effizienz verdanken sie kleinen Hilfsprogrammen, geschrieben von Hackern. Solche Programme, genannt "cheats", verleihen tödliche Feuerkraft und die Gabe, durch Mauern zu sehen. Sie sind bereits weit verbreitet.

Früher galt Waffengleichheit in den Online-Welten. Die Kämpfer wählten sich bei einem Netzrechner ein, dann ließen sie, verbunden übers Internet, ihre Spielfiguren gegeneinander antreten, und der Beste gewann. Nun aber marodieren überall prahlsüchtige Kindsköpfe, die sich an erschlichener Allmacht berauschen.

Betroffen von der Plage sind fast alle populären Online-Spiele: vom schnöden Ballerspektakel "Counterstrike" bis hin zum Fabelreich "Everquest", wo eine halbe Million Fantasy-Freunde sich für rund 13 Dollar im Monat mit Drachen und Raubrittern herumschlagen.

Den Betreibern dieser Spiele fallen die Trickser überaus lästig. Es ist schwer genug, mit dem aufwendigen Online-Betrieb Geld zu verdienen. Da gilt es, nicht auch noch die ehrlichen Kunden zu verdrießen.

Wie weit die Unmoral schon verbreitet ist, zeigt sich im Internet-Zentrum Battle.net, das die Firma Blizzard Entertainment eingerichtet hat. Ihr Geschäftsmodell war bislang recht erfolgreich. Wer ein Blizzard-Spiel wie "Starcraft" oder "Diablo" auf CD gekauft hat, darf sich im Battle.net kostenlos mit Gegnern zusammenschalten. Inzwischen treffen dort Millionen Wettkämpfer aus aller Welt aufeinander.

Der Trubel zieht aber auch die falschen Superhelden an. In letzter Zeit nehmen sie so überhand, dass die Firma sich nur noch mit Gewalt zu helfen weiß. In den vergangenen Monaten sperrte Blizzard mehrmals jeweils Hunderttausende Zugangskonten wegen Betrugs, zuletzt Mitte April. Der jüngste Massenbann traf mehr als 300 000 überführte Schummler.

Die Spieler verloren ihre Kampffiguren mitsamt dem angehäuften Spielgeld. Wiederholungstäter bekommen inzwischen auch noch ihre CD-Kennung komplett gesperrt; sie müssten, um wieder mitmachen zu dürfen, ein neues Spiel kaufen.

Dennoch nehmen die Schwindeleien kein Ende. Gar zu verführerisch ist die Fülle der übermenschlichen Vorteile, die es zu ergattern gibt.

Die meisten Tricks machen sich ein Prinzip zu Nutze, nach dem viele Online-Spiele funktionieren: Jeder Teilnehmer hat die komplette Spielwelt als eine Art Puppentheater auf seinem Computer gespeichert - mitsamt allen verfügbaren Figuren. Übers Internet werden die Parallelwelten dann quasi gleichgeschaltet: Lässt ein Spieler seine Puppe durch eine Tür laufen, tut sie das auch auf den Bühnen der anderen. In Wahrheit werden aber nur die Bewegungsdaten ausgetauscht. Niemand kann also sehen, was sich wirklich auf dem Bildschirm des Gegners abspielt.

Ein Betrüger zieht daraus seinen Vorteil: Er manipuliert beispielsweise die Spielwelt auf seinem PC so, dass alle feindlichen Figuren in glühendem Rot erscheinen. Dann schickt er einen Roboter auf die Szene, der automatisch auf alle roten Köpfe zielt. Der Spieler muss nur noch die Feuertaste drücken. Oder der Roboter übernimmt das Ballern gleich selbst.

Der gefoppte Gegner bekommt von dem Schwindel zunächst gar nichts mit. Denn in seinem Spiel ist alles wie gewohnt. Auch den feuerroten Kopf, die fatale Zielhilfe, trägt seine Figur nur in der Parallelwelt des Betrügers.

So können Lug und Trug fast beliebig gedeihen. "Es gibt alles, was man sich nur ausdenken kann", sagt Spieler Kästorf. Das eine Programm macht gegnerische Blendgranaten unwirksam, das andere lässt jede Wand auf Wunsch durchsichtig erscheinen. Der Schummler kann dann die feindlichen Figuren erspähen, wo immer diese lauern.

Das Fantasy-Spiel "Diablo II" hingegen wird immer wieder von Robotern heimgesucht, die stundenlang die Weiten der Spielwelt nach herumliegenden Wertsachen, Waffen und Zaubergeräten für ihre Gebieter abgrasen. So sammeln sie oft über Nacht ein Vermögen an. Manche verstehen sich sogar auf das Aufbrechen von Schatzkisten.

Kein Wunder, dass der Unmut bei den redlichen Spielern groß ist. Oft genug geht es um Existenzen. So mancher Geprellte hat sich, meist über Jahre, seine Spielfigur mühselig herangepäppelt. Schon fürs billigste Schwert musste er stundenlang auf eine Erzmine klicken. Dann galt es, in endlosen Scharmützeln mit Drachen und Zauberern Erfahrungspunkte zu horten. Und nun muss der ehrliche Mann zusehen, wie dahergelaufene Schelme ihn ausstechen - und am Ende versteigern sie vielleicht auch noch, wie es oft geschieht, ihr Diebesgut bei E-Bay.

Unter dem Ansturm der Trickser kommt allmählich das ganze Gefüge der Spielwelten aus dem Lot. Bislang ging es dort erstaunlich geregelt zu. Selbst im schauerlichsten Ballerspiel herrscht in Wahrheit meist der Geist des Sportvereins. Es gibt wohl organisierte Wettkämpfe mit Preisgeldern, und es gibt Ligen und Spielerverbände, nur dass diese hier Gilden oder Clans heißen.

Einen besonderen Grad an lebensnaher Disziplin verlangt das Online-Spiel "America's Army", mit dem die Streitkräfte der USA um Rekruten werben. Der Spieler absolviert dort ein gründliches Schleiftraining, ehe er, zusammen mit anderen Feierabendsöldnern, in den Wüstenkrieg oder zum Geiselbefreien geschickt wird.

Das mag ein Erlebnis sein - aber wenn am Einsatzort die grotesken Roboter der Hackergemeinde herumspuken, die durch Wände sehen, ist der Realismus dahin. Jeder Betrug führt vor, wie gebrechlich diese virtuellen Welten doch sind.

Umso eifriger spähen die Betreiber nach unlauterer Kundschaft. Die meisten haben eine Art Spielpolizei eingerichtet, die rund um die Uhr das virtuelle Treiben überwacht; bei Beschwerden wird gegen die Verdächtigen ermittelt.

Auf den Netzrechnern von Battle.net laufen zudem Statistikprogramme, die nach Anzeichen allzu steiler Karrieren Ausschau halten. Andere Firmen setzen Spähsoftware wie "Pandora Anticheat" oder "Punkbuster" ein. Bei ihnen darf nur mitspielen, wer diese Programme auf seinem Rechner installiert hat.

Die Hacker, auch nicht faul, halten dagegen mit immer neuen Tricks, die den Spionen einen ordentlichen Spielbetrieb vorgaukeln. So ist ein grotesker Rüstungswettlauf in Gang gekommen.

Dumm nur, dass die Jagd auf Betrüger manchmal auch die Falschen trifft. Es gibt Profis, sagt Kästorf, die sind so gut, dass sie zu Unrecht des Falschspiels bezichtigt werden. Das sind durchtrainierte Haudegen mit beängstigenden Reflexen, zielsicher, eine Klasse für sich. "Wirklich kaum zu glauben", sagt Kästorf, "dass es keine Roboter sind."

MANFRED DWORSCHAK

hmm .. was meint ihr zu dem Text? Ich finds erbärmlich :geknickt:

Quelle: Spiegel.de

Silver
jep, cheater sind wirklich erbärmlich... ich kanns auch gar end verstehn... ich mein, wo bleibt denn der spass, wenn mann gar nix mehr machen muss, um gut zu sein...

hoffentlich sind wenigstens die FF spieler so fair, dass sie keine cheats gebrauchen, denn ich hab vor mir ff11 zu kaufen :)

ach ja, der schlussteil vom artikel, also, der teil von Kästorf gefällt mir irgendwie :)

Das sind durchtrainierte Haudegen mit beängstigenden Reflexen, zielsicher, eine Klasse für sich. :)

mix
hi,

jo das finde ich auch sehr erbärmlich.. ich meine..bei diablo2 kann man wenigstens noch geld verdienen dran, aber bei cs oder so, nur ärger verursachen... aber auch wenn man geld verdient ists einfach erbärmlich...und man kann nicht wirklich was dagegen tun :/

gyrotron
*fmjanguckundschweig* :megalach:

red-evil
*fmjanguckundschweig* :megalach:
lol
*gyroanguckundschweig* ;)

ich find den text lustig geschrieben, fast schon heorisch wird cs beschrieben *g*

guru.potzblitz
lol .. assis :p

canXun
Ich mag den Text nicht - zu reisserisch.

Und das mit den Cheats ist auch schon lange bekannt...ich weiss noch, als bei CS beta 5,2 die ersten Gerüchte von Cheats herumgingen..das waren Zeiten :D