Thema anzeigen : Wie entstehen Naturgesetze?


Zentinel
Ganz interessanter Text ... :dhoch:

Stellen Sie sich einen Stein vor, der ins Wasser geworfen wird. Von diesem Moment an entsteht eine Welle, die sich im Raum (ins Unendliche) und in der Zeit (in die Zukunft) ausbreitet. Die Physiker haben dafür auch eine hübsche Gleichung, die ihnen das Verhalten einer solchen Welle mathematisch exakt beschreibt. Leider hat diese Gleichung immer zwei Lösungen, von denen eine stets sofort verworfen wird. Die erste Lösung (die "retardierte") beschreibt die Welle so, wie sie oben geschildert wurde und wie sie jeder Beobachter erlebt. Sie hat damit zu tun, daß etwas ausgesendet wird, darum heißt sie auch "Emitter"-Lösung. Die zweite (die "avancierte") beschreibt alles genau umgekehrt: Aus weiter Ferne und aus der Zukunft kommt ein schwaches Gekräusel, das sich im Hier und Jetzt zu einem singulären Ereignis verdichtet: Ein Stein wird aus der Wasseroberfläche gehoben. Diese Lösung hat damit zu tun, daß etwas aufgenommen wird, darum heißt sie auch "Absorber"-Lösung. Bei dieser Welle läuft die Zeit umgekehrt.

Zwei bedeutende amerikanische Physiker haben sich damit beschäftigt: Richard Feynman und John A. Wheeler, Spezialist für Schwarze Löcher. Zusammen entwickelten sie die "Emitter-Absorber-Theorie". Sie untersuchten mathematisch, ob ein Universum existieren kann, in dem beide Wellenformen vorkommen können, eine, die in die Zukunft wandert, eine andere, die aus der Zukunft kommt und damit die Gegenwart (also ihre eigene Vergangenheit) beeinflußt. Ihr Ergebnis: Nimmt man an, daß alle Wellen halbe-halbe existieren, also eine Hälfte "retardiert", die andere "avanciert", dann könnte man die so konstruierte Welt nicht von der wirklichen Welt unterscheiden. Mit anderen Worten: Es wäre möglich, daß die Welt auch von der Zukunft her beeinflußt wird.

Der Physiker John Cramer hat daraus eine Theorie entwickelt, die er "handshake"-Hypothese nennt. Und das geht so: Wird ein Photon (ein Lichtteilchen) von einem Atom emittiert, also - von uns aus gesehen - erzeugt, dann wird dieses Lichtteilchen irgendwann, vielleicht erst in ferner Zukunft, auch wieder absorbiert, also von uns aus gesehen, verschluckt oder vernichtet. Das erste - die Erzeugung - kann aber erst stattfinden, wenn das zweite - die Vernichtung schon feststeht. Beide Ereignisse senden nun Wellen ins All, in die Zukunft bzw. in die Vergangenheit. In der Mitte des Raums und in der Mitte der Zeit treffen sie auf einander und schütteln sich, bildlich gesprochen, die Hände. Erst durch diese Bestätigung des physikalischen Pakts entsteht der gesamte Prozeß. Außerhalb des Wegs der beiden Wellen verschwinden die Wellen, nur auf dem gemeinsamen Weg durch Raum und Zeit verstärken sie einander.

Und so könnten Naturgesetze entstehen. Nicht nur, daß die Bestandteile der Welt (was immer die sind) einander im Hier und Jetzt beeinflussen und damit ein gemeinsames Verhalten schaffen, das wir als Gesetz interpretieren; die Teilchen dieser Welt verständigen sich auch noch über Raum und Zeit mit sich selbst in ferner Zukunft und schaffen dadurch, mit Konsens und Kooperation, ein gesetzmäßiges Verhalten, das wir genauso gut aus der fernen Zukunft beschreiben könnten wie, gewohntermaßen, als kausale Verknüpfung. Mehr dazu in dem höchst lesenswerten und spannenden Buch von John Gribbin: "Schrödingers Kätzchen und die Suche nach der Wirklichkeit" (Fischer Taschenbuch).

Quelle: PM Magazin (http://www.pm-magazin.de/de/wissensnews/wn_id669.htm)

tool
haste Zufällig auch das Buch gelesen, dass da erwähnt wird?

Zentinel
Erstellt von tool
haste Zufällig auch das Buch gelesen, dass da erwähnt wird?

Nein, aber wenn das Buch so interessant ist wie dieser Text werde ich mir dieses noch kaufen. Kennst du das Buch ?

tool
Erstellt von Zentinel


Nein, aber wenn das Buch so interessant ist wie dieser Text werde ich mir dieses noch kaufen. Kennst du das Buch ?

neeee...

Fireball29
Hi!

Ich habe das angesprochene Buch gerade beendet, und bin beim recherchieren auf diese Seite gestossen. Also ich kann das nur wärmstens empfehlen. Der Autor schreibt sehr lebendig, und erklärt vor allem einen guten geschichtlichen Abriss über die Entwicklungen und Ideen in der Quantentheorie.

Am Ende wird dann die angesprochene Idee präsentiert.

Klasse Buch,
Fireball

la-karaviro
Hast du das Buch mitlerweile gelesen oder angeschaut Zentinel?

oder weisst du warum:

Das erste - die Erzeugung - kann aber erst stattfinden, wenn das zweite - die Vernichtung schon feststeht.

Die behauptung, dass es so sein muss, gefällt mir einfach nicht. Ich bin halt immer skeptisch bei Magazinen, auch bei solchen wie P.M. oder Spiegel oder welches auch immer.
Aber umwerfend ist diese Sichtweise schon, abe in wie weit spielt dann alles eine Rolle, eher keine? Und dass will ich nicht ;) !