Thema anzeigen : [Info] Die Antimaterie-Fabrik


Zentinel
Antimaterie ist ein Stoff, der im Prinzip der gewöhnlichen Materie sehr ähnlich ist. So unterscheiden sich zum Beispiel das gewöhnliche Elektron und sein Gegenstück, das Positron, lediglich im Vorzeichen ihrer Ladung – bei sonst identischen Eigenschaften. Dennoch ist Antimaterie nicht von dieser Welt, denn sobald sie mit gewöhnlicher Materie zusammentrifft, vernichten beide sich gegenseitig unter Aussendung von Energie - ein Prozess, der durch Einsteins berühmte Formel E = mc² beschrieben wird. Da die Umwandlung von Masse in Energie bei der Zusammenkunft von Materie und Antimaterie vollständig ist, würde das Zusammentreffen von lediglich einem Gramm Antimaterie mit gewöhnlicher Materie eine Explosion von der Stärke der Hiroshima-Bombe auslösen.
Mit dieser Neigung der Antimaterie, schnellstmöglich wieder zu verschwinden, haben Wissenschaftler um Rolf Landua vom Europäischen Kernforschungszentrum (CERN) in Genf jahrelang gekämpft. Durch ausgefeilte technische Tricks ist es ihnen jedoch nunmehr gelungen, die beachtliche Zahl von 50.000 Atomen Antiwasserstoff herzustellen. Ein Antiwasserstoff-Atom besteht aus einem Antiproton, dem Gegenstück des Protons, und einem Positron. Zwar ist dies nur ein winziger Bruchteil eines Gramms, aber selbst diese geringe Menge eröffnet den Wissenschaftlern das Tor zur weiteren Erforschung der Antimaterie. Von besonderem Interesse ist dabei, ob sich die Antimaterie wirklich genauso verhält wie gewöhnliche Materie, ob also beispielsweise das Spektrum des Antiwasserstoff-Atoms dem Spektrum des Wasserstoff-Atoms völlig identisch ist, wie es die bisherigen Theorien annehmen.
Um diese Art von Experimenten durchführen zu können, benötigen die Forscher aber größere Mengen von möglichst langlebiger Antimaterie - ein Problem, an dessen Lösung die Physiker um Rolf Landua vom ATRAP (Antihydrogen Trap)-Experiment am CERN arbeiten. Ihr Ziel ist eine regelrechte Fabrik für Antiwasserstoff-Atome. Wesentlicher Bestandteil ist dabei der AD (Antiproton Decelerator), der die zunächst sehr hochenergetischen Antiprotonen abbremst, welche sich dann in eine elektromagnetische Falle sperren lassen. In der Falle bilden die Antiprotonen dann mit den (wesentlich leichter zu erzeugenden) Positronen den Antiwasserstoff. Zwar zerfällt der Antiwasserstoff nach kurzer Zeit, da er mit den Wänden der Falle in Berührung kommt, aber Landua glaubt, dass es möglich sein sollte, ihn in einem sehr starken Magnetfeld einzusperren. "Unser Fernziel ist es, eine solche magnetische Flasche zu bauen", erklärt er. In dieser Flasche ließe sich dann die Antimaterie untersuchen. Die Forscher könnten so herausfinden, von welchen Gesetzen die Welt der Antimaterie regiert wird.

Quelle: PM Magazin (http://www.pm-magazin.de/de/wissensnews/wn_id391.htm)